Sky Watcher 102/500 erster Bericht

Refraktor, Newton, Maksutov, Binokular...
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sir_clive
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Registriert: 02.04.2019, 11:56

Sky Watcher 102/500 erster Bericht

Beitrag von sir_clive »

Hi,

hier eine erster einfacher Testbericht über den Neuzugang zu meiner Teleskop"sammlung" (2 zählen schon als Sammlung, oder? :wink: ) Das ist sicher kein vollständiger Bericht, ich hoffe aber, er wird für den einen oder anderen hilfreich sein.

Ich bin mir über die Nachteile eines Achromaten im Klaren, und glaube, dass ich sie verschmerzen kann. Das gute Stück soll als Reiseteleskop, oder sogenanntes "grab'n'go", seinen Einsatz finden, und zwar nur für visuelle Astronomie - Fotografie ist zur Zeit kein Thema für mich. Mein anderes (erstes) Teleskop ist 150/750 Newton auf EQ5 - eine wirklich gute Kombination, die aber für spontane Einsätze, oder wenn es wenig Platz im Auto gibt, viel zu gross und schwer ist. Ich war sehr gespannt wie mir ein Refraktor gefallen wird!

Der erste Eindruck, nachdem ich das Rohr aus der Verpackung geholt habe, war WOW - hübsch! Und klein... und LEICHT! Der 2" Zenitspiegel, welchen ich als Ersatz für das mitgelieferte 1.25" Amiciprisma auch noch bestellt habe, sieht dagegen gerade wuchtig aus!

AZ3 Montierung auf Alu Stativ ist überraschend leicht und vibriert bei absichtlichen "schubsern" sichtlich mehr als mein EQ5 auf Stahlbeinen, das war aber natürlich zu erwarten. Immerhin verschwinden die Vibrationen ziemlich schnell, ich glaube, dass sie kein Problem darstellen werden. Ich war etwas überrascht, dass es keinen Griff für die Höhenverstellung gibt - man muss das Teleskop angreifen. Die Mutter für die Höhenverstellung war ziemlich streng angezogen, ich habe sie etwas gelockert, jetzt geht es besser. Hoffentlich lockert sie sich nicht von selbst wieder.

Die Montierung nimmt leider keine Prismaschiene, so wie die auf EQ5, die Ringe werden durch zwei Schrauben gehalten. Das bedeutet leider, dass ich das Teleskop nicht ohne weiteres am EQ5 verwenden kann, man muss die Halterung immer wieder umbauen. Aber dafür habe ich es auch nicht gekauft... :D

Die ersten Tests am Tag waren ermutigend: die mitgelieferten Okulare sind nicht das Gelbe von Ei (ich kenne sie vom 150/750er), tun aber was sie sollen, und *schlecht* sind sie sicher auch nicht, vor allem der 25er.

Von den befürchteten und oft kritisierten Farbsäumen habe ich noch nichts bemerkt, ich habe das Teleskop aber auch noch nicht in Situationen gesehen, wo diese am ehesten entstehen können. Mit einem 24mm 68 Grad ES Okular war das Bild jedenfalls sehr scharf, es war für mich kein Unterschied zum o.g. Newton festzustellen.

Auch bei der stärksten mir zur Verfügung stehenden Vergrösserung (Zoomokular von Lacerta auf 8mm runtergedreht + 2x "Focal Extender" von ES, insgesamt also 125x) war das Bild noch immer ganz OK. Klar, um einiges dunkler als mit dem Newton, aber auch das war keine Überraschung.

Gerade habe ich von der Veranda aus einen ersten Blick auf die Sterne geworfen - gestochen scharfe kleine Punkte bis an den Rand (vorerst nur mit dem ES Okular getestet). Das ist schon mal ein klarer Vorteil gegenüber dem Newton, wo Verzerrimgem im äusseren Bereich deutlich zu sehen sind (wie bei allen Newtons).

"Red Dot Finder" ist ein Spielzeug, ich konnte es nicht korrekt ausrichten (die Schraube für die seitliche Bewegung war schon am Anschlag). Sucher vom Newton passt aber auch in den Schuh und liess sich ohne Probleme einstellen.

Fokusieren geht sehr schön und ohne Ruckler, ich glaube, der Fokuser gefällt mir besser, als der Fokuser am Newton. Der ganze OAZ hat am Anfang etwas gewackelt, das war aber durch Anziehen der günstig positionierten Schraube zu beheben.

OAZ hält das riesige Zenitspiegel (auch von SkyWatcher) nicht wirklich gut, das Ding verkantet und lockert sich immer wieder wenn man es ganz reinschiebt, vermutlich weil die "Nut" am Spiegel ungünstig liegt. Wenn man es aber 2-3mm herauszieht und die Schrauben ordentlich anzieht, war das Ganze gut zu befestigen. Trotzdem, wirklich vertrauenserweckend fühlt sich das nicht an. Rückblickend glaube ich, dass ein 1.25" Zenitspiegel zu diesem Teleskop eher besser passern würde. Durch das mitgelieferte 1.25" Amiciprisma habe ich nur kurz geschaut und habe es gleich wieder weg gelegt: kein Vergleich mit dem Spiegel, Prisma lässt um einiges weniger Licht durch. Dafür ist das BIld aber korrekt (aufrecht und seitenkorrekt), für Beobachtungen am Tag also vermutlich ganz brauchbar.

Was mir NICHT gefällt, ist etwas, wovon ich noch nirgends gelesen habe, und was vermutlich für alle Refraktoren bauartbedingt gilt: man muss sich viel mehr bücken und verrenken um zum Okular zu kommen! Wo man beim Newton entspannt aufrecht steht, ist man hier fast die ganze Zeit in komischen Positionen gebückt, was ziemlich anstrengend ist. Ich glaube, man sollte die Beine möglichst einfahren und eher die Sitzposition suchen. Fürs "Himmelsurfen" ist es also vermutlich eher weniger geeignet als ein Newton. Das war enttäuschend, aber vermutlich muss ich mich nur daran gewöhnen und die Position(en) finden, die weniger unangenehm sind. Oder ich soll mal abnehmen und die Rückenmuskulator stärken... :lol:

Unterm Strich kann ich sagen, dass ich sehr zufrieden bin - ich kann mir nicht vorstellen, dass man für das Geld wirklich mehr bekommen kann. In einem direkten Vergleich würde ich den 150er Newton auf EQ5 zwar eindeutig bevorziehen, für seinen geplanten Einsatzzweckt erscheint mir dieser 102/500er aber gold richtig, und man muss auch keinen Kredit aufnehmen, um es zu kaufen! :lol:

Weitere Berichte folgen wenn ich mal die Gelegenheit hatte das Teleskop ordentlich unterm Sternenhimmel zu testen.

Gekauf habe es in Teleskop Austria (http://www.teleskop-austria.at/), mein Newton stammt auch von dort. Sehr nette und hilfsbereite Leute, ich kann das Geschäft wärmstens empfehlen!

LG, alex.
gateway
Beiträge: 32
Registriert: 01.07.2017, 17:50

Re: Sky Watcher 102/500 erster Bericht

Beitrag von gateway »

Hallo Alex,

interessanter und ausführlicher Bericht :)

Lustiger Weise hab ich auch den Newton auf EQ5 den du hast ... auch vom selben Händler ;)

Auch wenn der Newton ansich gut funktioniert, kommt bei mir am meisten dieser Achromat und gleich danach das 127er Mak zum Einsatz. Mir ist der Newton im Normalfall zu wuchtig bzw. vor allem die EQ5.

Ich habe lange nach einer guten Montierung für den 102er FH und den 127er MAK gesucht und bin dann letzten Endes bei folgender Kombination gelandet:
Walimex Pro FT-665T Pro Stativ <- Ist wesentlich stabiler als der Aluhaufen der AZ3 und kann höher ausgefahren werden... dadurch hast du weniger Kreuzschmerzen
ProHeadLac85 <- Das ist ein hydraulisch gedämpfter Fluid Stativkopf von Lacerta... damit macht auch eine Brennweite von 1500mm noch Spaß

Die AZ3 hab ich entsorgt, mit der bin ich überhaupt nicht klar gekommen... ein Freund findet sie aber ganz ok... da hat jeder andere Vorlieben denk ich :)
Das Walimex Pro verwende ich außerdem noch als Stativ für Ferngläser, weil es sehr hoch ausziehbar ist. (Ich hab die 185cm Version)

Clear Skies :)
Philipp
sir_clive
Beiträge: 21
Registriert: 02.04.2019, 11:56

Re: Sky Watcher 102/500 erster Bericht

Beitrag von sir_clive »

Hallo Philipp,

ja, das ist scheinbar *der* Händler in Wien! Super Preise, super Service, und nett auch noch. Ich hatte mit meiner EQ5 Montierung ein Problem (beide Achsen waren verbogen) - wurde ohne irgendwelcher Probleme ausgetauscht sobald Ersatz da war, und bis der Ersatz da war, habe ich die "eiernde" Montierung behalten und benutzen können. So ein Service erlebt man nicht oft!

Wegen dem Stativ: ja, der Walimex sieht in der Tat gut aus, und ProHeadLac85 erst recht, da sind wir aber schon in einem Preisbereich, wo ich nicht landen wollte. Ich habe bereits in kurzer Zeit viel mehr für dieses neue Hobby ausgegeben, als ich ursprünglich geplant habe - und ich sehe bereits, ich bin noch lange nicht am Ziel.. :lol: AZ3 tut was es soll, um den Preis habe ich die Anschaffung nicht bereut.

Das Teleskop selbst habe ich gestern dann auch "in Echt" testen können: dem Vollmond sei Dank hatte ich dazu eine gute Gelegenheit. Visuell bin ich sehr zufrieden, vor allem mit der reduzierten Öffnung. Fotografisch ist es aber eine ganz andere Geschichte: Wenn ich da bei den Kameraeinstellungen nicht grob was falsch gemacht habe, sind die Mondfotos um merkbar schlechter als mit dem Newton. Die Farbsäume sind nicht nur am Mondrand deutlich zu sehen (dort werden sie auch deutlich weniger wenn man die Öffnung reduziert), sondern auch an den Kratern. Aber das wusste ich schon vor dem Kauf: das gute Stück ist kein Gerät für die Astrofotografie. Es lassen sich dann bei der Nachbearbeitung schon ganz gute Ergebnisse erzielen, aber wie gesagt, an den Newton kommen sie nicht an.

Hier ein Beispiel ohne reduzierter Öffnung (unbearbeitet, mit blaue/grünem Rand):

Bild

Und hier noch das Beste, was ich herausholen konnte (bin aber kein Experte in Bildbearbeitung :) ):

Bild

Fotografiert mit einem Honor 10 mit am Okular angescharaubter Handyhalterung, RAW, mit RawTherapee unter Linux bearbeitet. Leider weiss ich nicht mehr mit welchem Okular ich das bessere Foto geschossen habe, ich glaube das müsste ES 24@68 Grad gewesen sein.
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